Es ist mein Versuch, die Entwicklung meines Berufes historisch zu rekonstruieren, um zu verstehen, was dieser Beruf ist.
Schon während meines Studiums (1994 -1997) habe ich mich bei fast allen Fächern der Physiotherapie gefragt, warum, wozu und wie sich so ein Denken entwickelt hat und wo es eigentlich hinführen soll, wenn wenig Neues dazu kommt.
Durch den Versuch, diesen Beruf historisch aufzubauen und zu verstehen, habe ich meinen Weg gefunden, diesen Beruf losgelöst von Politik und Verwaltung besser zu verstehen.
Es interessiert mich und es macht mir Spaß zu recherchieren, was alles passiert ist und was noch kommen wird.
Die folgende Anekdote erzählt von Eric Kandel beschreibt meine Einstellung sehr gut:
... kurz nachdem Archibald Vivan Hill im Alter von 36 Jahren den Nobelpreis (1922) für seine Arbeit über den Mechanismus der Muskelkontraktion erhalten hatte, hielt er 1924 auf einer wissenschaftlichen Tagung einen Vortrag über dieses Thema. Als er geendet hatte, erhob sich ein älterer Herr und fragte ihn nach dem praktischen Nutzen seiner Forschungsarbeit.
Hill überlegte einen Moment ... wandte sich dem Fragesteller zu und sagte lächelnd: "Um die Wahrheit zu sagen, mein Herr, wir machen das nicht, weil es uns nützt, sondern weil es uns Spaß macht.
TOBIAS LANGOHR
2002 – heute Tätig als Physiotherapeut am Patienten in Düsseldorf.
03/1999 - 02/2000 Spezialisierung in Sportwissenschaften UE PR BR. Monografie: Entwicklung der Sport-medizin und Sportwissenschaften.
03/1994 - 11/1997 Graduation Physiotherapie PUC PR BR. Monografie: Architektonische Hürden für Rollstuhlfahrer Stadt Curitiba.
Das Wort bzw. die Berufsbezeichnung "Physiotherapie" habe ich zum ersten Mal in deutscher Sprache in einem Werk von Lorenz Gleich aus dem Jahre 1860 gesehen/gelesen. Höchstwahrscheinlich wurde es auch schon 50 Jahre früher verwendet - ich habe aber bis heute keine Quelle in die Hand bekommen.
Altgriechisch: φύσις phýsis, deutsch ‚Natur‘, ‚Körper’
Die internationale Physiotherapie ist heute eine therapeutische Wissenschaft, die durch Anwendung geeigneter Behandlungsmethoden physiologische und psychologische Anpassungsmechanismen auslöst, um die körperlichen Funktionen des Menschen zu begleiten, zu erhalten, zu stabilisieren, zu fördern und zu verbessern. Tobias Langohr 2016, 2021
Altgriechisch: θεραπεία therapeía, deutsch ‚Dienen‘, ‚Pflege‘, ‚Heilung‘.
Welt PT Gründungsjahre
BRASILIEN: 1888
FRANKREICH:1847
SPANIEN:1857
ÖSTERREICH: 1916
PORTUGAL: 1880
POLEN: zwischen 1950 – 1970
BULGARIEN: zwischen 1950 – 1970
SOWJETUNION: zwischen 1950 – 1970
Die „Geschichte der Physiotherapie“ ist ein Kapitel der „Geschichte der Allgemeinmedizin“. Physiotherapie ist das Wissen der Allgemeinmedizin. Historisch kann und will ich weder Therapieformen noch Persönlichkeiten allein der Geschichte der Physiotherapie zuordnen.
Für mich ist Physiotherapie auch Kunst - sie, die Physiotherapie, braucht Kreativität, Kunstfertigkeit, Kultur (Sammelbegriff für Ausdrucksformen geistiger Leistungen z.B.: Sprache, Sitten, Musik...) und eine aufgeklärte Gesellschaft. Im Klartext: Die Physiotherapie überlebt und entwickelt sich nur in einer stabilen Gesellschaft, in der Freiheit, Kultur, Geld, Erziehung, Bildung (soziale Allgemeinbildung) und Kunst im Überfluss vorhanden sind. Nach Rom und Padua (Italien) im 16. Jahrhundert, England (London) im 17. und 18. Jahrhundert, Österreich (Wien), Österreich-Schlesien, Schweden (Stockholm), Frankreich (Paris) und Deutschland (Berlin) im 19. Jahrhundert und Frankreich um 1940 liegen diese fortschrittlichen Zentren heute weit außerhalb Europas.
Deutschland hat um 1980 den Anschluss an die Welt verloren - die eigene Homöostase ist dahin. Die auf allen Gebieten destruktive "Merkel-Scholz-Regierung" hat der Physiotherapie die Luft zum Atmen genommen! Steuerlast und Zwangsabgaben, Sozialabgaben, Reglementierungen und Ausbildung (Abstellgleis) erschweren die Ausübung und drücken auf die Lust, überhaupt noch zu arbeiten. Hinzu kommt aber auch der kulturelle Wandel. Es ist, historisch gesehen, die schlechteste Zeit für diesen Beruf und seine Akteure. Ich gehe heute 2021 als Realist (nicht als Negativist) davon aus, dass es diesen Beruf bis 2040 öffentlich nicht mehr geben wird. Ich würde diesen Beruf heute 2022 nicht mehr ergreifen und empfehle der jungen Generation auszuwandern.
Die Geschichte beschäftigt sich gerne mit Helden und Bösewichten - ich werde hier beides erwähnen, damit die wahren Physiotherapeuten dazwischen zum Vorschein kommen. Also, die Streuung stellt nicht den Beruf dar, wie ich ihn verstehe. Die Geschichte der Physiotherapie besteht nicht aus Jahreszahlen, sondern aus Lebenserfahrungen, die durch Zeit, Umfeld und Gefühl erklärt werden.
Haben sich sehr früh und sehr gründlich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt. Sie haben früh erkannt, dass es ohne diese Aufarbeitung keinen wissenschaftlichen Fortschritt geben kann. Außerdem sind Ärzte stolz auf ihre Geschichte und haben Freude daran (beides fehlt den meisten Physiotherapeuten).
zieht nach. Allein die Ausstrahlung der preisgekrönten Serie "Charité“ im Jahr 2017 hat die Identität des Pflegeberufs gestärkt. Es gab nach der Ausstrahlung einen kleinen Aufstand der "Pflegehistoriker/innen" für Korrekturen an der historischen Darstellung des Berufes. Für die Ausstrahlung der zweiten Staffel (März 2019) wurden deutliche Korrekturen vorgenommen.
Aus dem Positionspapier (2012) der Sektion "Historische Pflegeforschung" (Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V.) geht hervor, dass auch für die Physiotherapie folgendes gilt:
Geschichte der Pflege ist wichtig, weil:
1. Nur mit der fundierten Kenntnis der vergangenen Situationen in der Gegenwart verstanden werden können,
2. Nur mit Kenntnis der Vergangenheit des Berufs ein kritisches Berufsverständnis entwickelt werden kann,
3. Nur mit Kenntnis der Vergangenheit eine Veränderung gegebener Situationen zu erreichen ist,
4. Nur mit Reflexion der Vergangenheit Lernen möglich ist,
5. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Persönlichkeiten fördert,
6. Kritisches Denken so gefördert wird .
H.-J. Pandel 2005, M. Sauer 2008
30 v. Chr. Aulus Cornelius Celsus (14 v.Chr. - 50 n.Chr.) Rom/Italien Medizinische Lexikografie
30 v. Chr. Lucius Annaeus Seneca der Jüngere (? Córdoba/Spanien - 12.04.65 n.Chr. Rom/Italien) Sen. epist. 95 Rom/Italien Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker, Stoiker
1850 Dr. Lorenz Gleich (1798-03.03.1865 München) - Naturheilarzt Buch (1860) München/ Königreich Bayern Systematiker des Naturheilverfahrens. Geschichte der Wasserheilkunde, Geschichte der Physikalischen Medizin
1886 Hermann Nebel (1835–1930) Geschichte der Massage. Über Heilgymnastik und Massage.
1912 F. Wetterwald Paris/ Frankreich Erstellte die Erste mir bekannte ausführliche Geschichte der Physiotherapie.
1927 Oskar Bernhard (1861-1939) - Arzt Schweiz Begründer der Heliotherapie Numismatik
1956 Joachim Harff Besatzungszeit Deutschland Krankengymnastik
1971 Prof. Dr. med. habil. Alfred Brauchle (22.03.1898- 21.11.1964) Arzt (Prießnitzkrankenhaus, Mahlow-Berlin), Naturheilkundler, Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.407.189).
W (1933): Handbuch der Naturheilkunde.
W (1937): Naturheilkunde in Lebensbildern
W (1971) Zur Geschichte der Physiotherapie. (Herausgeber: Med.-Dir.Dr. Walter Groh) Buch (1971) Drittes Reich - Besatzungszeit - BRD (Deutschland) Allgemeine Geschichte der Physiotherapie
1978 Paul-D. Lill BRD (Deutschland) Versuch
1985 Glen Gritzer und Arnold Arluke USA
1987 Hans Christoph Kreck Deutschland Heilgymnastik, Krankengymnastik, Zander.
1990 Reinhold Nitzschke Krankengymnastik
1991 Günter B. Risse USA
1995 Hans-Dieter Hentschel BRD (Deutschland) Massage
1995 Ulrike Schemmann Krankengymnastik
1997 Sabine Ruth Welti Buch (1997) Schweiz Massage und Heilgymnastik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
1999 Botomé, Sílvio Paulo; Rebelatto, José Rubens Buch (2.Aufl.2008) Brasilien Physiotherapie
2005 Julia Helene Schöler Dissertation (2005) Deutschland Heilgymnastik, Krankengymnastik.
2005 Anders Ottoson Schweden
2006 Dr.med Uwe Heyll (Arzt) Buch (2006)
2007 Thomas J. A. Terlow Niederlande
2009 Jaques Monet Paris/Frankreich
2012 João Pedro Da Fonseca Portugal
2016 Gisela Coburger Buch (2016) Deutschland Manuelle Therapie in der DDR.
1900 Berlin
Erste Leitung/Gründer: Professor Dr. med. Zabludowski (Siehe 1863 Massage Johann Mezger "Vater der modernen Massage").
Die erste "Lehranstalt" in Deutschland war die Massage-Anstalt in Berlin. Es war ein neuer Anbau in dem zur Charité gehörigen Gebäude Luisenstrasse 3 in Berlin. Zabludowski erstellte einen "Katalog" mit folgenden Aufgaben:
1. Ausbildung von Ärzten und Medizinstudenten höherer Semester durch jeweils mehrwöchigen Massagekurse einschließlich damit verbundener bewegungs-therapeutischer Maßnahmen.
2. Wissenschaftliche Arbeiten auf dem gesamten Gebiet der Massage.
3. Mehrmonatige Ausbildung eines "durch Intelligenz, Geschicklichkeit und moralische Qualifikation besonders geeigneten" männlichen und weiblichen Massagepersonals. Dieser auf Zabludowski beruhenden Zuordnung stand anfangs noch der Meinung vieler Ärzte entgegen, dass die zu Heilzwecken durchgeführte Massage ausnahmslos von approbierten Ärzten durchgeführt werden müsste. Bald jedoch wurde klar, dass die Massagebehandlung schon aus zeitlichen Gründen auch einem speziell ausgebildeten Massagepersonal überlassen werden konnte.
4. Durchführung einer unentgeltlichen fachmännischen Massagetherapie bei den zahlreichen Patienten, die der Massage-Anstalt von den Universitätskliniken, Krankenanstalten oder praktisch tätigen Ärzten wegen der verschiedensten Indikationen zugewiesen wurden.
Name: Massage Anstalt
Ort: Luisenstrasse 03 am Charité (Medizinischen Fakultät der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin).
1901 Kiel
Gründer: Johann Hermann Lubinus. Vorrausetzungen für die Aufnahme an dieser privaten Schule und darauf folgende Teilnahme an der einjährigen Ausbildung zur "Staatlich geprüfte Heilgymnastin":
1) Einjährige turnerische staatliche Ausbildung (Turnlehrerinnen - Examen), also "von kräftigem Gesundheitszustand" sein.
2) Alter zwischen 20 und 32 Jahre.
3) Abgangszeugnis einer neunstufigen Mittel- oder höheren Mädchenschule.
4) Amtliches Führungszeugnis. 5) Monatliche Zahlung von 575 Reichsmark - Mit bestandenen Examen konnten die Heilgymnastinnen sich an Krankenhäusern bewerben oder den Beruf selbständig ausüben.
Name: Lehranstalt für Heilgymnastik
Ort: Brunswiker Straße 8-10
1905 Berlin
↳ 1983 Kassel-Wilhelmshöhe
Der berliner Arzt und Sanitätsrat Dr. Ludwig Greger gründet eine Privatschule für Heilgymnastik. Diese erwarb Dr. med. Wilhelm Rohrbach im Jahre 1922. Zunächst wurde die Ausbildungsstätte unter der Bezeichnung "Greger`s Privatschule für Heilgymnastik, Badewesen und Elektrotherapie" fortgeführt.
1924 Wurde die Lehranstalt staatlich anerkannt und von Dr. med. Wilhelm Rohrbach nunmehr unter seinem Namen geleitet.
1967 Evamaria Junginger (Tochter Rohrbachs) übernimmt die Leitung der Schule.
1983 Wurde ein neues Unterrichtsgebäude in Kassel-Wilhelmshöhe - direkt auf dem Gelände der Orthopädischen Klinik - eingeweiht. Die Behandlungserfolge durch die Arbeit der Masseure und medizinischen Bademeister und die Erkenntnisse aus der Therapienotwendigkeit für die Patienten brachten in demselben Jahr zunächst den Beruf des Krankengymnasten hervor.
1994 Übernahm Diplom-Chemiker Bernd Blindow die traditionsreichen Schulen Dr. Rohrbach in seine Bernd- Blindow-Schulgruppe und sicherte somit die Weiterführung der erfolgreichen, zukunftsorientierten Lehranstalt.
Seit Mitte der 70er Jahre hatte er zahlreiche Ausbildungsstätten für Medizinfachberufe an verschiedenen Standorten im gesamten Bundesgebiet gegründet. Heute sind die Bernd-Blindow-Schulen in Bückeburg, Bad Sooden-Allendorf, Kassel, Hannover, Friedrichshafen aber auch u.a. in Berlin und Leipzig beheimatet.
Name: "Greger`s Privatschule für Heilgymnastik, Badewesen und Elektrotherapie"
↳ Bernd-Blindow-Schulen
1919 Dresden
War die erste staatliche Schule. - Die Bezeichnung Krankengymnastik wird jetzt öffentlich.
Name: Sächsische Staatsanstalt für Krankengymnastik und Massage
1923 Frankfurt a/M
Die Heil- und Erziehungsanstalt oder damals besser bekannt als "Krüppelheim Friedrichsheim" wurde nach dem Ehemann der Stifterin, Friedrich König, benannt. - Nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1914 diente die Klinik als Reservelazarett. Im Jahre 1923 wurde die Lehranstalt für Massage und später die Krankengymnastik (1928) gegründet.
Namen: Lehranstalt für Massage später ↳ 1928 Lehranstalt für Massage und später die Krankengymnastik
1926 München
1926 Berlin
Am Chirurgischen Universitätsklinikum in Berlin gründet Wolfgang Kohlrausch (1888-1980) eine Kranken- und gymnastikschule in einer laufenden Massageschule des Arztes Franz Kirchberg. - Die hohen Monatsgebühren von 60 Reichsmark (ca. 250€ heute - 2014) mussten die Schülerinnen selber zahlen.
Ort: Ziegelstraße
Diese Schule zieht später unter Prof. Lothar Kreuz von Berlin-Eichkamp in das Oskar-Helene-Heim nach Berlin-Dahlem um. Anna-Maria Hauptmann (Gymnastiklehrerin-Preußische Schule für Leibeserziehung) und Absolventin (1928) der Ausbildung zur Krankengymnastin bei W. Kohlrausch kommt aus Freiburg als erste leitende Lehrkraft. - 1955 wird diese Schule dann zur staatlich anerkannten Krankengymnastikschule und gehört heute zu einer der ältesten in Deutschland.
Ort: Kronprinzen-Allee 171-173 Berlin-Dahlen
↳ 1938
1929 Düsseldorf
Ich habe hier versucht, die "Weimarer Zeit" anhand dieser von mir transkribierten Dokumentation darzustellen. Die komplette Akte über die "Gründung der Massageschule in Düsseldorf", die sich damals irgendwo auf dem Gelände des heutigen Universitätsklinikums Düsseldorf befand, wird im Stadtarchiv Düsseldorf aufbewahrt.
Und siehe da, unter den vielen anderen interessanten Dokumenten befand sich auch ein Bewerbungsschreiben in sehr schöner Handschrift von Erich Deuser (↳ 1960 Sportphysiotherapie), dem Vater der "Deutschen Sportmassage".
Alle Briefe geben einen Einblick in die soziale und wirtschaftliche Not der damaligen Zeit. Sie vermitteln ein klares Bild vom "Typus" des Bewerbers für diesen Beruf. Sie geben aber auch Einblick in das soziale Denken von Privatpersonen, die sich zu einer Bewerbung entschlossen, und in das Entgegenkommen mancher Behörden bei der Finanzierung. Querdenker und nutzlos war, wie heute auch, das Arbeitsamt!
Name: Massageschule in Düsseldorf
1929 Marburg
Im September wurde die "Schule für Heilgymnastik und Massage" durch Rudolf Klapp (Siehe 1936) gegründet. 1946 wurde diese Schule vom Land Hessen übernommen und 1953 erhielt sie dann auf Antrag der Medizinischen Fakultät vom Hessischen Kultusminister den Zusatznamen "Rudolf-Klapp-Schule". Ab 1996 heißt diese dann: "Schule für Physiotherapie - Rudolf-Klapp-Schule".
Namen: Schule für Heilgymnastik und Massage
↳ Rudolf-Klapp-Schule
↳ Schule für Physiotherapie - Rudolf-Klapp-Schule
1935 Freiburg am Breisgau
Zusammen mit Hede Leube und Anna-Maria Hauptmann gründete W. Kohlrausch später die Freiburger Krankengymnastikschule im Breisgau. Ein Grund für diesen Umzug war, dass er in Berlin keine staatliche Anerkennung für seine Krankengymnastikschule erhielt. Die Zusammenarbeit mit H. Leube und Elisabeth Dicke (BGM - Bindegewebsmassage) führte zu einer raschen Weiterentwicklung der Krankengymnastik und zu neuen Behandlungsmethoden. - 1944 Bei Luftangriffen wurden große Teile Freiburgs völlig zerstört, darunter auch die Krankengymnastikschule. - 1945 Auflösung der Schule durch Kohlrausch nach dem Luftangriff 1944. - 1945 - 1970 war die Schule, nach einer kurzen Zwischenstation im Kneipp-Sanatorium St. Urban, auf dem Gelände der "Neurologischen und Psychiatrischen Universitätsklinik" untergebracht, bis sie 1970 in das Schulgebäude in der Fehrenbachallee umzog. Seit 2000 ist die Freiburger Schule für Physiotherapie eine Abteilung der Akademie für medizinische Berufe des Universitätsklinikums Freiburg. W. Kohlrausch ist und bleibt in der Geschichte der Krankengymnastik und Sportmedizin eine mit Vorsicht zu genießende Figur, auch wenn dies von manchen nicht so gesehen wird. Er war seit 1937 Mitglied der NSDAP, leitender Arzt der Hitlerjugend, pflegte eine "stolze" Freundschaft mit Otto Bickenbach (KZ-Natzweiler, Menschenversuche), führte anthropometrische Untersuchungen durch und wurde Ordinarius für Bewegungstherapie an der nationalsozialistischen Reichsuniversität Straßburg (1941-1944). Nach einjähriger Kriegsgefangenschaft in Darmstadt wurde er als "nationalsozialistischer Mitläufer" eingestuft. Meine persönliche Meinung geht hier noch viel weiter, aber dazu müsste ich hier wirklich die Weimarer Zeit und das Dritte Reich historisch noch genauer aufrollen. Interessant und erschreckend wird es, wenn man sich die Themen anschaut, mit denen sich W. Kohlrausch beschäftigt hat, ob im Auftrag oder nicht. Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 gab es im Deutschen Reich bereits acht Krankengymnastikschulen. In dieser dunklen Zeit wurde die Ausbildung an einigen Schulen auf ein Jahr verkürzt, um möglichst viele Absolventinnen mit dem Notexamen in den Lazarettdienst zu entlassen. Dies führte u.a. zu einer Verschlechterung der Ausbildungsqualität.
↳ 1938
1906 richtete der Orthopäde, Schularzt und Hochschullehrer für Sonderpädagogik Konrad Alexander Theodor Biesalski (1868-1930) in einer Wohnung über seiner Praxis in Berlin-Kreuzberg die erste soziale Rehabilitationseinrichtung in Berlin-Brandenburg mit 10 Betten für körperbehinderte Kinder und Jugendliche ein. 1914 gründete Biesalski zusammen mit Hans Würtz das Berliner Oskar-Helene-Heim in Berlin-Dahlem.
1914 gründete Biesalski zusammen mit Hans Würtz das Berliner Oskar-Helene-Heim in Berlin-Dahlem. Es ist der Beginn der "modernen Krüppelfürsorge". Körperbehinderte Kinder und Jugendliche werden nun verstärkt medizinisch und therapeutisch betreut und in die Arbeitsgesellschaft integriert. Es ist die Geburtsstunde der modernen Behindertenfürsorge in eigens dafür geschaffenen Einrichtungen.
1938 Als Ärztlicher Direktor des Oskar-Helene-Heims (OHH) verlegte Prof. Kreuz die Krankengymnastikschule von Eichkamp in das OHH nach Berlin-Dahlem. Damit war der Grundstein für die heutige Physiotherapieschule gelegt. Anna-Maria Hauptmann kehrt aus Freiburg zurück und übernimmt die kommissarische Leitung der Krankengymnastikschule. Sie ist die erste leitende Lehrerin in Deutschland.
1939-1945 Das OHH ist teilweise Lazarett, im Herbst 1945 wird der Unterricht im stark zerstörten OHH wieder aufgenommen. Der erste Nachkriegskurs beginnt.
Namen: Krankengymnastik-Schule von Eichkamp
↳ 1990 Wannsee-Schule e.V.
1940 Köln
1943 Heidelberg
1944 Münster
1947 Hamburg
Am 15. Mai wurde die "Krankengymnastinnenschule" (ab 1948 "Lehranstalt für Krankengymnastinnen") im UKE (Universitätskrankenhaus Eppendorf) unter der Bedingung eröffnet, dass die Personal- und Sachkosten durch Einnahmen der Schule gedeckt werden. Für die Eingliederung in das UKE sprachen die bereits vorhandenen Einrichtungen, wie das 1938/39 neu errichtete Badehaus, sowie die bedeutenden Fachkliniken und Lehrärzte. Hier begann schon früh ein Zusammenwirken von Krankengymnastinnen, Medizinstudenten, Lehre und Forschung. Die ärztliche Leitung der Schule übernahm Oberarzt Dr. Karl-Heinz Schalda (geb. 1912). Fachliche Leiterin wurde Christa Dültgen (geb. 1948), die kurz vor ihrer Berufung als erste Krankengymnastin des UKE in der Orthopädischen Klinik eingestellt worden war. Die Bewerberinnen der ersten beiden Kurse 1947 mussten ihrer Bewerbung den üblichen "Politischen Fragebogen" beifügen. Außerdem wurden sportliche und gymnastische Eignung sowie Kenntnisse in Stenografie und Maschinenschreiben verlangt. Das monatliche Schulgeld betrug 50,-M. Christa Dültgen und Professor Joachim Harff (1910-1969) waren die Persönlichkeiten, die durch ihren Anspruch an sich selbst und an andere die Schule nachhaltig prägten.
Name: Krankengymnastinnen-schule
Ab den 70er Jahren wurden immer mehr Schulen gegründet, allein im Zeitraum 1971 - 1998 waren es 225 Schulen in Deutschland. Heute (2014) sind es 264 Schulen
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