Geschichte der Physiotherapie

NATURHEILVERFAHREN  (Um 500 – 1500) 



SYMBOLE

BEDEUTUNG


Erwähnung


Folge, folgten, Schüler, folgende Leitung, Übersetzer, Erforscher


Wird später erwähnt


Zusammen mit

Jh.

Jahrhundert, Zentenium, Centenium (lat.), Hektode (gr.)

W (J):

Werk (Jahr)

WB:

Werk als Buch

WA:

Werk als Artikel (Zeitschriftartikel)


BRÜCKEN

Heilquellen, Römische Militärmedizin in Europa, Frühes Mittelalter (400-1050): cura animae, Hohes Mittelalter (1050-1300): Laienmedizin, Säkularisation (England 1535), Adlige/ Hoher Stand: Körperertüchtigung mi Ziel Kraft, Vitalität, Pöbel: Körperertüchtigung mit Ziel Spaß, Als erste muss die Seele geheilt werden als zweiter der Körper (Kurativ). Jungbrunnen: Heilquelle, Gesundbrunnen, Religion und Mysterienkulte (Taufriten), unsterblicher Kreislauf (aqua vitae). Mittelalter: Wundertätiges Wasser und Feuer. Fabeln, Liedern und Schwänken, Epos und höfische Romane. Einfluss der Gestirne, Schaltjahren. Christentum: misericordia, caritas.


 VOR(MIT)DENKER

Avicenna = Ibn Sena (980-1037) Arzt, "Heliotherapie, Kryotherapie, Chiropraktik, Traktionstherapie"

Gilbertus Anglicus (ca. 1170-1230) England "Traktionstherapie, Chiropraktik“

Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207-1231) "Baden"

Henri de Mondeville (1260-1320) "Rotlichttherapie, Heliotherapie"

Pietro Paolo Vergerio (1348-1419) "Gymnastik"

Vittorino da Feltre (1378-1476) "Gymnastik"

Lionardo da Vinci (1452-1519) "Proportionen"

Albrecht Dürer der Jüngere (1471-1528) "Proportionen"

Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus) (1494-1541) "Thermal- und Mineralbäder, Kryotherapie"

Walther Hermann Ryff (1500 Straßburg? - 1540 Würzburg) "Baden"

Martin Rulandus (1532-1602) "Baden, Schwefelbäder"

Marco Aurelio Severino (1580-1656) "Kryotherapie"

  

ALLGEMEINE QUELLEN

 1) Rantzau. Jacobus Theodorus Tabernaemontanus (um 1522-1590) Einfluß der Gestirne, Bäder, Luft.


THEMATISCHE QUELLEN

1) Kaltwasserbehandlungen: Aurelianus und Aetius: Kaltwasserbehandlungen, Waschungen und    Tauch-bäder bei Wahnsinn, Fieber und Lungenerkrankungen. Alexander von Tralles (6. Jhd): Kaltwasserbehandlungen bei Gicht, Lebererkrankungen, Erkrankungen der Galle und bei Sodbrennen. Paulos von Aegina: Kaltwasserbehandlungen      bei Augenleiden. Avicenna (gest. 1036): Kaltwasserkuren.

2) Jungbrunnen: Jupiter und Nymphe Juventa, Juno, Zauberfrau Medea, Jakob Grimm, Weltsche Ygdrasil  - Urd (Nordische Sagen), Wolfdietrich-Epen, "Fontaine de Jouvence" (Frankreich), Alexander der Große, Alexanderroman (Frankreich), Konrad von Würzburg  und sein "Wunschland Circonia" im Epos vom Trojanischen Krieg, Priesterkönig Johannes und der Jungbrunnen im Morgenland, Luther und das    "Jüngelbad", Thorn und sein "Spiel vom Jungbrunnen (1440), Hans Sachs und der Jungbrunnen auf der Insel Bimini    "Schlauraffenland". Bildende Kunst: Lucas Cranach der jüngere, Hans Sebald Beham ein sogenannten Kleinmeister aus dem Umkreis Dürers in Nürnberg, Eyck, Jean Bellegambe aus Douai (Das mystische Bad der Seele in Christi Blut) → Später in der Renaissance bis Klassiszismus: Aldorfers "Ruhe auf der Flucht", Hans Holbein d. J. u.a.. 


TECHNIKEN/METHODEN/KONZEPTE IM MITTELALTER 


JAHR

GRÜNDER

BERUF

LAND

Handgriffmedizin

Chiropraktik

Einrenken

330 - 1453



Byzantinische Reich (Konstantinopolis)

Schröpfen

3.300 v.Chr.   (um)  


2.200 v.Chr.   (um) 


1.500 v.Chr.   (um) 


1481 


1933 (um)









Bernhard Aschner    (1883-1960)






Bader


Arzt 

Medizinhistoriker

Mesopotamien  

Ägypten

Indien






Österreich

Lecken



Bader


Gesundbrunnen I






Dokument (AD57) (1921) Inflationsgeld                             Der Gesundbrunnen                                                    Wedding -Berlin - DEU




Mineralbäder,   Kastenbäder, Freibäder,   Heilquellen,Heilbäder

1646



Hornhausen im  Fürstentum     Halberstadt

Sauna

50 n.Chr.   (um) 


1942




Examinierter Bademeister

Rom


Berlin



DIE HANDGRIFFMEDIZIN


"Fas non est ab hoste doceri" 

John Shaw(1792-1827) und James Paget(1814-1899): *Es ist keine Schande, vom Feind zu lernen* 


  • Geschichte der Handgriffmedizin I
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Es ist unmöglich die Anfänge der Handgriffmedizin chronologisch und geographisch zu präzisieren. In der menschlichen Entwicklung wurden die Hände schon immer bewusst und unbewusst zu therapeutischen und kurativen Zwecken benutzt.

Es gibt auf diesem Gebiet also kein Anfang und kein Ende und die Vervielfältigung sowie die Entwicklung neuer Ansätze zeigen eine klare Kontinuität in dieser Entwicklung.

Ein gutes Beispiel dafür ist die "Manuelle Therapie" die sich aus der unkonventionellen Volksmedizin weit über 1.000 Jahren durch naturwissenschaftliche Methoden für sich verfeinert hat.

Diese meist unkonventionellen Behandlungsmethoden (Plural!) haben auch schon immer entweder eine eigenartige Stellung innerhalb der Medizin bekommen, aber auch Vorurteile erleben müssen. Die noch dazukommende Konfrontation zwischen der Schulmedizin und unkonventionellen Heilverfahren ist so alt wie die "Menschenbehandlung" selbst.

Es ist die Aufgabe der Geschichte der Physiotherapie dieses Aufzuarbeiten und verständlich zu machen damit in der Zukunft Fehler nicht wiederholt werden und die Wissenschaft der Behandlung mit/durch den Händen sich im vielfältigen Spektrum weiterentwickelt.

..... 

Tipps zur Nachforschung

Hinweis Frankreich Sept 2017: 1528 König Franz I wurde von einem "Rebouteurs" behandelt, Louis XIV hatte drei, Louis XVI neben Ärzte und Chirurgen noch 4 "Rebouteurs".

  1. Hinweis Portugal Sept 2017: Físico Mor "Carta" Algebristas, Mauren: al-jabr  bringen das Einrenken nach Spanien→ 
  2. Hinweis Spanien Sept 2017: Miguel de Cervantes "Dom Quixote" Wort Algebrista
  3. behandelt Sansão Carrasco Kapite 4
  4. Hinweis England: "Bonesetters"
  5. Hinweis Deutschland: "Knochenbrecher, Pfuscher" 

 



"DIE TEUTSCHE BADEKULTUR" 

Das Wort Stube kommt aus dem altdeutschen stiuban, stioban, stieben, stoup was so viel heißt wie: staub, stiebendes Wasser. Bezeichnet also ursprünglich eine einfache Vorrichtung zur Erzeugung von Wasserdampf. (Quelle: Moritz Heyne: Germanist)

Ein Badehaus war ein öffentliches Bad. Es diente nicht nur zur Körperpflege und der Behandlung von Krankheiten, sondern war auch ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt (Sowas machten schon die alten Griechen und Römer).

Die Zeit des Mittelalters (ca. 500 – 1450 n. Chr.) war eine Zeit öffentlicher Badefreuden. Nackte Körper in Zubern und Wannen, dazu Musik, Tanz und Spiel, fröhliche Tafeln und lustige Liebesszenen. Das Mittelalter stellt sich in Zeichnungen und Holzschnitten als ausgesprochen badefreudig dar und dabei fallen nicht nur höfische Szenen ins Auge. Gebadet wurde überall und ohne Ansehen des Standes. Tacitus sagte den Germanen nach, dass diese gleich nach dem Schlaf, der meistens bis weit in den Tag hinein reichte, oft ein warmes Bad nehmen würden, weil bei den Germanen die meiste Zeit des Jahres Winter wäre.

Wer brachte eigentlich diese Badekultur nach Europa? Hierzu könnte man zwei denkbare Hypothesen aufstellen: 

1. Durch die römische Besatzung. 

2. Durch Kreuzfahrer aus islamischen Ländern .

Die öffentliche Badestuben haben schon im 13. Jahrhundert eine große Rolle gespielt.

Wien: im Mittelalter 24 Badestuben, 1534 noch 11, Anfang des 18. Jahrhunderts nur noch sieben. Frankfurt am Main: Im Mittelalter werden rund 15 Badehäuser betrieben, das Bürgerverzeichnis aus dem Jahr 1387 nennt 29 Bader (inklusive Gesellen). 1555 waren dort nur noch zwei Badestuben in Betrieb, und das auch nur noch zweimal pro Woche. 1809 wurde hier das letzte Bad dieser Art geschlossen. Nürnberg: 13 Badestuben

In ihrer Hauptform war die alte deutsche Badestube eine Schwitzstube, ein Dampfschwitz-bad. Später entwickelten sich daraus die Heißluftstuben.

Nach dem wundärztlichen Apotheker Walther Hermann Ryff (um 1500 – 1548) hatten diese Stuben zwei Abteilungen. Ein „vorstüblin“ zum „Abziehen“ (Ausziehen) und ein „trukkene Schweißbad“ (trockenes Schweißbad).

Vor dem Bad wurde der Badegast warm abgegossen und ebenso wie nach dem Bade massiert (Bader).

Zur Schweißerzeugung wurde die Haut mit „Questen“ aus Birken- oder Eichenzweigen geschlagen, was man „lecken“ oder „quasten“  nannte.

Auch das Aderlassen und Schröpfen durch den Bader wurde regelmäßig in den „Schweiß- und Schröpfstuben“ ausgeübt, wovon u.a. zahlreiche alte Bilder Zeugnis ablegen.

Neben den Badestuben gab es auch Dampfkastenbäder. Es war sowas wie ein Schrankkasten, in dem der Schwitzende bis zum Hals eingeschlossen war und der durch heiße Steine unter einem Doppelboden geheizt wurde.

Wie schon in der Antike diente Wasser auch im Mittelalter ganz unterschiedlichen Heilzwecken: Unter anderem sollte es gegen Epilepsie, Fieber, Lähmungen, Gicht, rheumatische Beschwerden, Unfruchtbarkeit, Erkältungen und Nierenleiden helfen.

Häufig verordneten die Ärzte den Besuch einer Badestube oder eines Wildbades, also eines Kurortes mit warmen oder mineralhaltigen Quellen. Besondere Heilkraft sollten nach damaligem Glauben die im Frühjahr genommenen Bäder – die Maibäder – besitzen. Das Maibad, in Gesundheits- und Volkskalendern als Ritual am Ende des Winters empfohlen, war immer ein Warmbad, oft mit einem Zusatz frischer Frühlingskräuter. »Alle bad seind gutt, besonders kreuter bad«, schrieb ein Chronist im 16. Jahrhundert. Ein voller Tag im Badezuber sollte die Gesundheit für ein ganzes Jahr erhalten. Alten Überlieferungen zufolge badeten manche Kranke tagelang ununterbrochen und schliefen sogar im Wasser (20. Jahrhundert Berlin).

Als besonders bußfertig galt derjenige, der Arme, Kranke und Pilger badete. Chronisten berichten von geistlichen und weltlichen Persönlichkeit, die mit solchen barmherzigen Taten vor aller Augen beim Volk sehr populär wurden: die Bischöfe von Mainz und Utrecht, die Mutter von Kaiser Heinrich IV. und die Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207 bis 1231), die vier Jahre nach ihrem Tod von Papst Gregor IX. heiliggesprochen wurde. Auch Elisabeth badete lieber andere als sich selbst. Als man sie endlich überredete, ein Bad zu nehmen, tauchte sie nur eine Zehe ins Wasser und erklärte damit das Bad für beendet. Gänzlicher Verzicht auf das Baden galt im Mittelalter als Ausdruck größter Frömmigkeit. 

Viel Aufsehen erregten Brunnen, deren Wasser Heilkraft besitzen sollte. Sie erfreuten sich großen Zuspruchs. So wurde beispielsweise ein Schäfer im Jahr 1646 durch das Baden in einem Wunderbrunnen in Hornhausen, einem Dorf am Nordrand des Harzes, vom Fieber geheilt. Als dann dasselbe Wasser eine langjährig gelähmte Bäuerin von ihrem Leiden befreite, war Hornhausen, das "lutherische Lourdes", schlagartig berühmt und wurde zum Kur- un Wallfahrtsort. Bereits im Jahr 1647 suchten rund 2000 Kranke Heilung im Wasserder sechs Brunnen, sogar gekrönte Häupter. Doch genau so schnell wie es berühmt wurde, geriet Hornhausen wieder in Vergessenheit und die Brunnen verfielen. 

Eine andere eisenhaltige Heilquelle als Gesundbrunnen kam 1646 in Kelbra (Landkreis Mansfeld-Südharz), Rastenberg bei Weimar, Ronneburg bei Greiz, Ziesar und Buckow östlich von Brandenburg, Döhlen bei Rochlitz und Sittel bei Pegau in Mode. Ältere Brunnen wurden wieder reaktiviert, so z.B. der Tannenbrunnen bei Zwönitz oder die Quelle bei Kloster Lüne. Sie sollten unter anderen Blinde, Krüppel und Lahme geheilt haben. Ein toller Artikel über diesen Wunderbrunnen wurde von Hartmut Kühne geschrieben.

Im Mittelalter behandelten auch manche Ärzte »Aussätzige« in den Lepraspitälern mit Warmbädern, denen sie Kräuter, Alaun (bitteres Tonerdesalz) oder Kochsalz zusetzten. Der Arzt und Alchemist Martin Rulandus (1532 bis 1602) empfahl 1568 gegen »Aussatz und malatzey…Bader von schwefel.«

Warme Bäder verordneten Ärzte auch gegen Beschwerden des Bewegungsapparates, so auch gegen die Gicht (Podagra). Der Schweizer Dichter Johann Wilhelm Simmler (1605 bis 1672) lobte im Jahr 1668 die Wirkung eines solchen Bades: »Gewärmtes Kräuterbad in meinem Ofenkessel; nächst Gott; entbande mich von Podagrames Fessel.« Damals entstanden auch spezielle »Krutbad« (Kräuterbadestuben) nur für Kranke.

Das öffentliche Badewesen verfiel ab dem 16. Jahrhundert nach und nach, weil die Bader und ihr Gesinde durch zunehmende Gewinnsucht, Kupplerdienste und häufigen Alkoholkonsum den eigenen Stand in Verruf brachten. Schon bald gehörten sie deshalb zu den »unehrlichen Berufen«, auf die jeder Bürger mit Verachtung herabblickte. So durften sie beispielsweise in Erfurt und Halle keine Waffen tragen und hatten keinen Zugang zu öffentlichen Ämtern. Manche Zünfte versagten den Kindern der Bader, ihr Handwerk zu erlernen. Vermerke im Taufschein wie »Baders, Henkers oder Spielmanns Kind« wiesen auf die »Unehrlichkeit« des Standes hin. Auch Martin Luther berichtete von der Diskriminierung der Bader, als er schrieb: »Er heißt mich einen Wechselbalg und Bademagds Sohn.«

In der Tat veränderten sich die öffentlichen Badestuben mit der Zeit immer mehr. Aus Stätten volkstümlicher Fröhlichkeit, körperlicher Reinigung und Gesundheitspflege waren Orte des Lasters, der Unzucht und der Fress- und Saufgelage geworden. In vielen Badestuben gingen Dirnen ein und aus, und auch die meisten Bademägde waren zu Liebesdiensten bereit. Der Tiroler Arzt und Prediger Hippolytus Guarinonius (1571 bis 1654) schimpfte über die Zustände, dass man »nicht wohl unterscheiden kann, ob das Schwitzbad ein Bad oder aber ein Freß- oder Sauff- oder Unzucht- und Luderhauß sei.«

Um dem unsittlichen Treiben Einhalt zu gebieten, trafen die Behörden viele gesetzliche Regelungen. Im Wesentlichen verlangten sie im Bad eine Trennung der Geschlechter. Doch vielerorts ignorierten Männer und Frauen dieses Verbot oder umgingen es geschickt und badeten zusammen. Die Kurorte, die Wildbäder, entwickelten sich in dieser Zeit zu reinen Vergnügungsstätten. Kinderlosen Frauen empfahlen die Ärzte damals Kuren in warmem Schwefelwasser. Doch meist war der Kurerfolg, eine Schwangerschaft, nicht das Ergebnis fleißigen Badens, sondern eines intensiven Liebeslebens.

Einen schweren Schlag erhielt das Badeleben durch die seit Ende des 15. Jahrhunderts epidemisch auftretende Syphilis. Bald warnten die Ärzte vor dem Besuch öffentlicher Badestuben, da sie diese als Infektionsherde für die furchtbare Krankheit erkannt hatten. Ein genauer Bericht über den Verlauf einer Syphilisepidemie ist aus Brünn überliefert: Am 13. Dezember 1577 wurde dort eine große Anzahl von Badegästen beim blutigen Schröpfendurch nicht gereinigte Schröpfköpfe infiziert.

Die Bader durften bei Strafe niemanden, der »an der newen kranckheit, malen Frantzosen, beflecket und kranck« war, in die Badestuben aufnehmen. Viele mussten wegen fehlender Badegäste den Betrieb einstellen oder wurden behördlich geschlossen. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648), versetzte schließlich den letzten öffentlichen Badestuben den Todesstoß. In den schrecklichen Jahren des Elends, des Hungers und der Seuchen (Pest, Typhus, Cholera) kämpften viele Menschen ums reine Überleben.

Um 1700 beginnt die Zeit der DuftwässerParfümsSchminken und Puder

Über Russland kommt die Badestube und Sauna (Abhärtung für Soldaten)  wieder nach Deutschland.

Die erste Badeanstalt die in den Geschichtsbüchern erscheint wurde durch den Arzt Uden 1781 in Berlin errichtet.

Der Feldzug in Russland 1812 half dann die Kenntnis dieser Art des Schwitzbades sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wieder zu verbreiten.

Im 19. Jahrhundert kamen dann die sogenannten „Irisch-römische Bäder“ aus dem Ausland her.   (Quelle:  Dr. Barter: Irischer Arzt und Dr. Luther Arzt in Nudersdorf bei Wittenberg).


Der BADER

Der Bader, ist eine alte Berufsbezeichnung für den Betreiber oder Angestellten einer Badestube. Der Beruf ist per Wort seit dem Mittelalter bekannt.  Bader waren „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den Ärzten leisten konnten - und gleichzeitig Betreiber einer Badeanstalt (Diese waren nicht immer seriös). Andererseits waren sie aber bis ins 18. Jahrhundert wichtige Gehilfen der akademisch gebildeten Ärzteschaft (siehe Stellung und Rechte).

Wie die Feldschere übten sie einen hochgeachteten, obgleich von der Wissenschaft nicht akkreditierten Heilberuf aus. Er umfasste das Badewesen, Körperpflege, Kosmetik und Teilgebiete der sich erst entwickelnden Chirurgie, Zahnmedizin und Augenheilkunde. Neben dem Bader arbeitete im Badehaus oft ein Scherer oder Barbier, der für das Haareschneiden und Bartscheren zuständig war. Aus diesen, manchmal schwer unterscheidbaren, Berufen entwickelte sich der Handwerkschirurg, später Wundarzt genannt.

Eine interessante Beschreibung der "Zunft" der Bader findet man im Werk des Architekten und  Denkmalpfleger Carl Alexander Heideloffs (1789 Stuttgart -1865 Haßfurt). In seinem Werk (1834) "Das Goldene Ehrenbuch der Gewerke und Zünfte".

  • Der Bader 1834 1_1
  • Der Bader 1834 2
  • Der Bader 1834 3
  • Der Bader 1834 4
  • Der Bader 1834 5
  • Der Bader 1834 6
  • Der Bader 1834 7


Tätigkeitsbereiche vom Bader:

Hygienische Aufgaben

  • Badewesen, Betreiber der Badestube
  • Massage
  • Haare und Bart schneiden (später Scherer und Barbier


Medizinische Aufgaben

  • "Ärzte der kleinen Leute"
  • Aderlass, Verbandstechniken, Salben, Arzneien 
  • Chirurgische Eingriffe
  • Ziehen der Zähne (Später Zahnmedizin)
  • Behandlung von Wunden und Geschwüre  
  • Augenheilkunde


Kosmetische Aufgaben

  • Haare und Bart schneiden (später Scherer und Barbier)


DEUTSCHE BADESTUBEN 

  1. 1437  Badhaus Wendelsteinheute im Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheimtransloziert.
  2. Badhaus in Kulmbach  (Auch aus dem 15. Jahrhundert).
  3. ca. 1530 Badstube in Wangen im Allgäu.
  4. 1845 Staatliches Badhaus zu den vier Türmen von  in Bad Ems - heute „Badhaus im Kurpark“.
  5. Badehaus in Bad Soden am Taunus gelegen im Alten Kurpark.
  6. 1888 Alte Badehaus, Bad Wörishofen in Bayern.
  7. 1890 Das Badehäuschen, Bad Wörishofen in Bayern.
  8. Vorderbad Braunau: In Braunau am Inn.
  9. Stadtmuseum Crailsheim ist eine      mittelalterliche Badstube mit dem typischen Gewölbe und der nur noch teilweise erhaltenen Heizanlage zu sehen.
  10. Das Badehaus in Dieburg ist heute ein Privatwohnhaus.
  11. Badehaus in Dirmstein.
  12. Badehaus Goor, Insel Rügen bei Lauterbach
  13. 1927 Städtisches Badehaus von in Hannover-Linden-Mitte, heute Spielort der Kabarettbühne TAK.
  14. Römische Therme und mittelalterliche Badehäuser in Köln.
  15. Historisches Badhaus in Pommelsbrunn, am 18. Juli 2011 als Museum in Betrieb genommen.
  16. Badestuben in Leipzig.
  17. Badstoven Münden in Hann bei Münden.
  18. 1550 Bad Pyrmont: Wunderbrunnen.
  19. 1793 Seebad Heilgendamm,  Samuel Gottlieb von Vogel.
  20. Kurbäder.
  21. Baden-Baden.
  22. Ab 1980 Niedergang der Badekultur.

 


Die Geschichte der Deutschen Badekultur - Autoren

  1. 1610 Dr. Hippolytus Guarionius:      Stadtarzt von Hall in Tirol Werk (1610): Die Grewel der Verwüstung   Menschlichen Geschlechts.
  2. Um 1850 Dr. Barter: Irischer Arzt -  Dr. Luther Arzt in Nudersdorf bei Wittenberg
  3. 1942 Prof. Dr. Med. Martin Vogel  Artikel: Die Alte Deutsche Badestube. In: Sauna - ein Weg, zur Volksgesundheit. Reichsgesundheitsverlag, Berlin-Wien
  4. 2013 Kühne, Hartmut. Die Wunderbrunnen von Hornhausen und Gottschdorf bei Königsbrück - Ein Beitrag zur lutherischen Frömmigkeit des 17. Jahrhunderts. In Musik und Konfessionskulturen in der Oberlausitz der Frühen Neuzeit - Verlag Gunter Oettel, Görlitz-Zittau.

 

 

 

 

"Lieber ne Kapelle als ein Gymnastikraum"

 

In Bearbeitung: Stand November 2017

Monastische Medizin: Benediktinerorden, Coelestis medicus, 1163 Konzil zu Tours (Kein Blutkontakt), 1215 Laterankonzil.

Scholastische Medizin: Keine bekannte Quellen über Einsetzung der Gymnastik als therapeutisches Mittel.